In dieser sehr kurzen und sehr intensiven Rede, erzählt die Schauspiel-Trainerin Patsy Rodenburg, wie wichtig Präsenz und Kontakt im täglichen Leben sind.  Rodenburg beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Schauspiel. Daher ist es nicht verwunderlich, das sie zu diesem Thema eine dezidierte Meinung hat.

Die Bühne ist ein besonderer Ort und wenn die Scheinwerfer leuchten und man vor einem Publikum steht, wird die eigene Präsenz einer unvergleichlichen Prüfung unterzogen. Ohne Präsenz hat man auf der Bühne keine Chance, und daher beschäftigt sich ein großer Teil des Trainings mit dem Formen und Herausbilden dieser Präsenz.

Aber was genau gibt mir Präsenz? Was läßt mich überzeugt und selbstsicher erscheinen? Was ist Präsenz eigentlich genau?

Präsenz ist die „Intensität der Anwesenheit“. In all den Jahren bin ich auf keine bessere Beschreibung dieses Phänomens gekommen, als diese. Offenheit, Verfügbarkeit und Authentizität sind Merkmale einer starken Präsenz. Im Umkehrschluss gilt ein Mensch, der mit den Gedanken und seinem Fokus nicht bei uns oder der Sache ist, als „nur körperlich“ anwesend.

Ich versuche euch drei Tips zu geben, von denen ich denke das sie eure Präsenz verstärken können. Im allgemeinen ist es aber ein sehr langer Prozess und von vielen Faktoren abhängig. Erziehung und biografische Erlebnisse spielen ebenso eine Rolle, wie das Berufsfeld in dem man sich bewegt.

Vermeide Smalltalk. Mache Bigtalk.

Das bedeutet nicht, das du ein Egomane werden sollst, sondern vielmehr versuchst Smalltalk zu vermeiden. Egal mit wem. Mich persönlich langweilt Smalltalk und daher versuche ich immer die Unterhaltung auf ein Thema zu lenken, zu welchem ich eine definitive Meinung habe. Das fördert übrigens auch die Fähigkeit zuzuhören, so paradox das auch scheint.

Einer der Gründe warum Schauspiel so fesselnd sein kann, ist die Tatsache, das meistens über interessante Dinge in einer sehr engagierten Art und Weise gesprochen wird. Natürlich sind wir nicht immer, in jedem Moment, in der Lage perfekte Dialoge von uns zu geben, aber warum nicht über Themen sprechen zu denen man sich äußern möchte, und nicht nur nett und zustimmend nicken kann?

Nutze also jede Gelegenheit um das Gespräch in eine Richtung zu lenken, die dich interessiert. Vermeide allgemeine Aussagen, sondern gebe deine Sicht der Dinge wieder. Menschen mit großer Präsenz zeichnen sich auch durch das Aufbrechen von Standards aus.

So trainierst auch deine Fähigkeit die Führung in Gesprächen und Meetings zu übernehmen und entwickelst so Führungsqualitäten.

Höre aktiv zu.

Leicht gesagt, schwer getan. Aber Präsenz hat unmittelbar mit deiner Verfügbarkeit für das Gegenüber zu tun, und Zuhören gibt dir die Möglichkeit zu reagieren anstatt zu agieren. Menschen spüren wenn man Ihnen zuhört und es ist für sie wertschätzend, wenn Ihnen an diesem Tag wenigstens ein Mensch die, für den Moment, uneingeschränkte Aufmerksamkeit schenkt. Baue Augenkontakt auf und beobachte, ob dein Gegenüber in der Lage ist, diesen zu halten. Direkter Augenkontakt kann allerdings auch als aggressiv interpretiert werden, also versuche ein Gefühl dafür zu bekommen, was geht und was nicht. Vermeide das wegschauen und Suchen nach anderen. Es gibt wenig schlimmeres, als mit jemandem zu sprechen, der dauernd nach einem interessanteren Gesprächspartner sucht.

Aktives Zuhören kann sehr entspannend sein. Denn viele Menschen beginnen vor Geschichten nur so zu sprudeln und man kann sich einfach bespaßen lassen und bekommt auch noch so manche Information, die vielleicht nicht einmal der Lebenspartner weiß.

Menschen die aktive zuhören, brauchen sich über ihre Präsenz keine Gedanken zu machen. Sie brauchen dem Gegenüber auch nicht aktiv suggerieren, das sie zuhören. Sie tun es einfach.

Stärke nicht deine Schwächen

Deine Schwächen sind deine Schwächen. Du brauchst Ihnen keinen Raum zu geben, sie nehmen ihn sich sowieso.  Gedanken an die Möglichkeit des eigenen Versagens steigen proportional zur Größe des Events auf dem man in irgendeiner Weise bestehen muss. Sei es als Redner vor der Belegschaft, oder auf der Familienfeier. Es bringt absolut nichts, darüber nachzudenken, was alles schief gehen kann. Das hat nur zur Folge, das man versucht keine Fehler zu machen und das ist der Killer aller Präsenz. Die Angst Fehler zu machen lähmt und wird auf englisch „freeze“ genannt. Wenn du also nicht wie ein gefrorenes Kühlpack wirken willst, hör auf dir Gedanken über dein Wirken zu machen und sei einfach. So, wie du bist.

Vor einiger Zeit beobachtete ich eine junge Band auf der Bühne eines Festes. Sie spielten ihr Repertoire fehlerfrei herunter. Alles stimmte und es war fast perfekt. Es fehlte nur: Präsenz. Die Musiker konzentrierten sich so darauf keine Fehler zu machen, das jeglicher Impuls und inspirierender Moment ausblieb. Der Tod auf der Bühne.

Dein Job auf der Bühne ist nicht fehlerfrei zu sein. Dein Job ist es, dein Publikum zu unterhalten. It’s called Entertainment, Baby!

Das angepasste brave Kind wollen nur die Eltern sehen, aber nicht das Publikum und der Moment wo man mal reinen Tisch macht, und die immer gleichen Rituale des Familienfestes in Frage stellt, sind die, über die noch nach Jahren gesprochen wird.

Und damit wären wir beim letzten Punkt: Präsenz erfordert Mut.

Die bekannte Persönlichkeitstrainerin Vera F. Birkenbihl hat einmal gesagt: Wer einen Unterschied machen will, muss den Kopf aus der Masse heben.

Sei der Unterschied. Jeden Tag.

Zum Abschluß gibt uns Celeste Headlee in ihrer sehr unterhaltsamen Rede 10 Tipps, wie man ein präsenterer Gesprächspartner wird.
Viel Spaß!