Stehst du auch manchmal vor Menschen und hast das Gefühl, sie hören dir nicht zu? Grund dafür kann eine zu hohe Erwartungshaltung sein. Aber es gibt Abhilfe.

In vielen Trainings, die ich leite, mache ich die Erfahrung, das Menschen nicht per se zur aktiven Teilnahme motiviert sind. Dabei gibt es die verschiedensten Situationen: Vom Arbeitsamt finanzierte Schauspielkurse, Wochenendworkshops, bei Ausschreibungen gewonnene Kommunikationstrainings. In allen diesen Situationen gilt eine Grundvoraussetzung für den Leitenden: Die von ihm erbrachte emotionale Vorkasse. Erst wenn ich den Menschen etwas vorgelebt habe, etwas gebe, kann ich eine aktive Beteiligung erwarten.

Die amerikanische Psychologin Brene Brown berichtet in ihrem Top Ten TED Talk über eines ihrer Projekte, welches sich mit folgender Frage beschäftigte: Sie wollte wissen, warum manche Menschen eher in der Lage sind ein funktionierendes soziales Netzwerk zu etablieren, als andere. Ihre Erkenntnis besagt, das für manche das Konzept NICHT in Vorleistung zu treten, nicht existiert. Sie sind deutlich leichter in der Lage Menschen für sich zu gewinnen und Vertrauen auszustrahlen, als andere. Das dies nicht einfach ist, beweist der Titel des Buches, das sie zu diesem Thema schrieb: „Sei großartig mutig!“. Menschen, die diesem Paradigma folgen, besitzen ein besser funktionierendes soziales Netzwerk und sind im menschlichen Miteinander erfolgreicher als andere. Der Titel ihres TED-Vortrages dazu lautet „The Power of vulnerability“, auf deutsch: „Die Macht der Verletzlichkeit“. Sie versteht also die Verletzlichkeit nicht als Schwäche, sondern als Energiezentrum, welches viele von uns ungenutzt lassen.

In einem meiner Workshops, arbeiten wir an Szenen, die wir dann am letzten Tag aufzeichnen. An diesem Tag fungiere ich als Regisseur. Es gibt wenige Berufe bei denen man klarere Führungskompetenzen mitbringen muss, als im Beruf des Regisseurs. Man ist für alles zuständig, muss zwischen technischen und künstlerischen Forderungen hin und herspringen, hat die Zeit als gnadenlosen Gegner und den Druck im Nacken, das entstandene Produkt später am Schneidetisch immer wieder ansehen zu dürfen, oder zu müssen, je nachdem wie erfolgreich man am Set war.

Zu einem dieser Workshops war ironischerweise eine Regisseurin gestoßen, deren gebuchter Workshop ausgefallen war. Sie machte die 4 Tage mit und ich bot ihr an am letzten Tag auch eine Szene zu inszenieren. Die Schauspieler, welche eben noch jede meiner Regieanweisung mit Freude umgesetzt hatten, fingen nun an jede Idee der Regisseurin in Frage zu stellen. Diese wurde immer unsicherer und verfiel auf einmal in einen Befehlston, der darin gipfelte das sie den Schauspielern sagte: “Jetzt macht das einfach!“. Ich würde nicht sagen, das die Szene eine Katastrophe war, aber nahe dran, denn ihr fehlte jegliches Leben, die Beziehung war unklar, gespielt von mürrischen, uninspirierten Schauspielern. Ich wollte der Frau die Möglichkeit geben, im Workshop erlerntes, praktisch anzuwenden, bedachte dabei aber nicht, das ich eine Gruppe 4 Tage lang geführt hatte und diese auf einmal einen neuen „Chef“ bekam, der nicht etabliert war. Somit hatte Sie keine Chance. Ihre Erfahrung (sie hatte international ausgezeichnete Kurzfilme produziert) und ihre Ausbildung also Ihre fachliche Kompetenz, halfen ihr nicht. Ich dagegen hatte objektiv gesehen wesentlich weniger Kompetenz als sie, also weniger „Recht“ Regie zu führen, konnte aber aufgrund der Vorleistung die Gruppe zu besseren Ergebnissen führen.

Die Regeln des menschlichen Austauschs sind universell. Zu jeder Führung gehört ein Gefolge. Wollen wir ein aktives Gefolge haben, das sich mit Spaß und motiviert an unserem Projekt beteiligt, so bedingt das unsere Bereitschaft, den Menschen etwas zu geben, uns zu öffnen und somit die Führungsrolle anzunehmen. Wir müssen erkennen, das das Durchsetzen neuer Regeln oder Druck nicht funktionieren, und starre Konzepte dann über Bord werfen, wenn wir spüren, das wir dabei sind unsere Gruppe zu verlieren. Wichtig ist hierbei ein Gespür für den Moment zu haben, und eventuell starre Ziele oder Vorgaben anzupassen, wenn diese sich in der Situation so nicht umsetzen lassen.

Erreichen wir unsere Angestellten oder das Team nicht, kann das auch ganz andere Gründe haben, als den einfach und grundsätzlich abgelehnt zu werden. Eine Option, die manchem sicherlich schon mal durch den Kopf ging. Simon Sinek hat seiner Speech den Titel gegeben „Why good Leaders make you feel safe.“. Zu deutsch: „Warum gute Führung Sicherheit gibt“. Das Bild das hier entworfen wird, entspricht so garnicht dem der harten Führungshand, die neues durchsetzt, ohne Schwächen zu zeigen. Vielmehr bewegen wir uns doch immer in den gleichen Zuständen. Und manchmal erinnert das Ganze doch sehr an einen Papa, der seinen Kindern Schutz bietet. Vielleicht hilft dieses Bild dabei, wie ein sanfter, fürsorgender Vater aufzutreten, nicht wie ein strenger.

Also: Öffne dich. Zeig Leidenschaft und wag etwas. Geh in die emotionale Vorkasse und streich den Gewinn ein. Die Mitarbeiter werden es dir danken mit Motivation und Inspiration.